Dieter Brader: Okay. Also, künstliche Intelligenz verändert Medien, Arbeitsweisen und Erwartungen rasant. Für Medienhäuser stellt sich dabei nicht nur die Frage, was technisch möglich ist, sondern auch, was auf der anderen Seite noch verantwortungsvoll ist. Gerade für öffentlich-rechtliche Medien, also für den ORF, geht es dabei eine besonders sensible Balance, Innovation auf der einen Seite und Vertrauen und journalistische Integrität auf der anderen Seite. Stefan? Ja, Servus! Du bist... Chief Innovation Officer des ORF. Und wenn man so diesen Titel hört, denkt man sofort an Technologie, Tools und neue Systeme. Mich würde interessieren, wie würdest du selbst deine Rolle beschreiben?
Stefan Kollinger: Ja, Technologie, Tools und neue Systeme ist durchaus ein schöner Dreiklang, indem wir uns bewegen. Das stimmt schon. Mein Team und ich haben auf jeden Fall ein sehr technologisches Standbein. Wir haben alle auch medientechnologischen Backgrounds aus unseren sehr diversen Karrierenwegen, so wie wir das einmal nennen. Wir sind glaube ich in der Regel alle das, was man sozusagen so bisschen nicht-lineare Vitas nennt. Wir konnten, wir durften, wir konnten relativ viel machen in unseren Karrieren. Haben insofern viel gesehen, viel gemacht. Quasi dazu beigetragen, dass Unternehmen gebaut worden sind, Technologie entwickelt worden ist, Dinge transformiert worden sind, digitalisiert worden sind, you name it. Und ja, das tun wir als Team und ich bin ein bisschen das sichtbare Teil davon... im ORF sozusagen. Wir sind auch in der Direktion für Technik und Digitalisierung angesiedelt. Das ist in dem Sinn auch kein Zufall, sondern by design. Weil wir auch dieses Standbein haben, haben wir aber auch immer diesen Connect zum Business, zu Redaktionen, zum Journalismus, zur Contentproduktion, zur Werbewirtschaft, Kreativwirtschaft, was auch immer. Ich sage immer, wir sind ganz grundsätzlich als Medienunternehmen immer Teil der Kreativwirtschaft. Wir sind ja sozusagen kein industrieller Fertigungsprozess, der etwas fertigt, sozusagen, Stückwerk, jetzt allgemein gesprochen, sondern wir sind ein öffentlich-rechtliches Medienhaus mit sozusagen Journalismus oder ein journalistisches öffentlich-rechtliches Medienhaus mit sozusagen journalistischer DNA, die im Wesentlichen das Ziel hat, Öffentlichkeit herzustellen.
Dieter Brader: Also du bist an einer Schnittstelle zwischen Technologie, Content, Public Services. Steig wir ein: Wann ist denn für dich KI zum spannenden Tool und zu einem strategischen Thema geworden?
Stefan Kollinger: Ich habe für den größten Teil... mit dem GenAI Hype eigentlich, glaube ich immer, sagen wir Ende 2022 ist sozusagen ChatGPT gelandet und das war mit Sicherheit der globale Kick-Off davon. Wir haben uns in den Jahren davor schon auch mit KI beschäftigt und Data Mining und Machine Learning Modelle und Image Recognition und alles mögliche und das war auch faszinierend. Aber wir haben, muss man auch ehrlich sein, wie glaube ich viele andere auch, die vielen Use Cases zu dem Zeitpunkt nicht gesehen haben. Und es war natürlich das Interesse beim Gegenüber, was auch immer das Gegenüber zu dem Zeitpunkt war, nicht immer so groß, wie das natürlich dann entstanden ist. Weil das ist glaube ich schon die unique Situation, in der sich wahrscheinlich alle Industrien, aber eben die Medienindustrie insbesondere auch befindet. Also ich habe in meiner Karriere nicht viele Themen erlebt, die in dieser breite Interesse, Ängste, Chancen, Risiken, also alles gleichzeitig hervorgerufen hat. Quer durch alle Unternehmensbereiche, quer durch alle Mediengattungen, quer durch alle Professionen, egal ob jetzt kaufmännische Bereiche, Contentproduktion, ganz klassischer Journalismus, was auch immer. Also jeder, hatte eigentlich von Beginn an in irgendeiner Form Interesse an dieser Thematik, sei es aufgrund von Ängsten, Sorgen oder von Chancen, Herausforderungen. Whatever. Das haben wir, glaube ich, im ORF sozusagen für unsere Kolleginnen und Kollegen sehr gut bespielt, indem wir unsere mittlerweile sehr bekannten, sind wir auch stolz darauf, AI Days ins Leben gerufen haben. Im Grunde als Event-Serie, die eigentlich zum Zweck hatte, immer eigentlich Literacy zu betreiben. Das ist kein Marketing-Event, auch wenn wir vielleicht selbst ein bisschen Marketing darum machen, dass das eine Aufmerksamkeit bekommt und sozusagen vor allem die Menschen auch erreicht. Weil, das ist in Unternehmen per se, vor allem in Medienunternehmen, gar nicht so leicht, nämlich das alles an die Kolleginnen und Kollegen zu kommunizieren, dass es sie erreicht und so weiter. Sprich, wir nutzen da auch, ich sage jetzt mal, unsere Profession und bespielen alle möglichen Kanäle, intern wie extern, damit das auch Aufmerksamkeit erfährt und das ist ein bisschen auch Teil des Erfolgs. Und hat im Wesentlichen immer zum Ziel gehabt und weiterhin Literacy und Upskilling indirekt zu betreiben, sodass die Menschen lernen, was kommt auf uns zu, was ist das, wer macht das, welche Konsequenzen hat das vielleicht, welche Chancen bietet das. Das machen wir seit drei Jahren sehr erfolgreich, darf ich heute stolz sagen.
Dieter Brader: An dieser Stelle kurz ein Satz zu diesem Podcast. "Can AI help you..." ist ein Podcast über künstliche Intelligenz, digitale Transformation, Medienwandel und Kommunikation und über die Frage, wie Menschen und Organisationen sinnvoll und wertschöpfend mit neuen Technologien umgehen können. Im Mittelpunkt steht heute Stefan Kollinger, CIO vom ORF, seine Perspektiven, Erfahrungen, Ideen und ganz konkreten Umsetzungen. Und die heutige Episode lautet Can AI help you... ...balance innovation and journalistic integrity? Und genau diese Balance möchte ich jetzt mit dir noch einmal genauer anschauen. Und zwar: Viele Medienhäuser wollen ja KI einsetzen und gleichzeitig spürt man, so wie du gesagt hast und so wie wir es alle spüren, eine große Unsicherheit. Wo darf denn jetzt KI konkret weiterhelfen?
Stefan Kollinger: Überall wo es sinnvoll ist. Das ist glaube ich wie mit jeder neuen Technologie oder Technologiesprung oder Weiterentwicklung, sei es iterativ oder irgendwie transformativ, das ist glaube ich gar nicht zu die Rolle oder spielt gar nicht zu die Rolle. Die Frage ist, wo können wir das gewinnbringend für uns oder unser Publikum einsetzen? So und wenn wir darauf eine Antwort haben, dann sollten wir das ganz generell gesprochen einfach tun, so wie wir das auch in der Vergangenheit getan haben. Insbesondere der Mediensektor hat eigentlich sehr viel Erfahrung mit technologischer Veränderung. Wenn man uns die letzten 100 Jahre sozusagen vom Radio kommend anschaut, dann hat sich da sehr viel getan. Ich sage immer, das versteht nicht jeder im ersten Moment, aber sozusagen eigentlich sind die öffentlich-rechtlichen Entitäten in Europa ein bisschen... Also wir sind Googles und Co's nicht so unähnlich gewesen sozusagen in unserer Genese. Wir haben alle eigene impressive Standorte gehabt und haben sie im Wesentlichen immer noch. Da gab es alles, gab es eigene Technologie, souveräne Technologie, On-Premise Technologie. Zusammen mit der Industrie sind da Dinge entwickelt worden, sei es vom ersten Mikrofon, dem ersten Mikrofon aber sozusagen der professionellen Mikrofontechnologie über Kameratechnologie, Funktechnologie, Übertragungstechniken jeglicher Art und so weiter, das ist ja sozusagen nicht zufällig entstanden. Es ist ja auch der ganze Medientechnologiemarkt eigentlich aus dem heraus entstanden. Dementsprechend... ist es unser Ansatz, ein bisschen in dieser Tradition wertschätzend und wertstiftend, das eigentlich sozusagen zu übersetzen, wiederum jetzt in die Zukunft, also quasi ins Übermorgen. Das ist ja ein bisschen unser Job, das Übermorgen vorzubereiten, zu erklären, greifbar zu machen, ausprobieren zu können vielleicht und so weiter, Prototypen zu bauen. Und das institutionalisiert zu adressieren. Das ist ja im Wesentlichen, was wir tun. Das formt sich halt in unterschiedlichster Art und Weise aus. Mal ist das Software, mal ist das ein Event, mal ist das ein Workshop, mal ist das einfach nur Kommunikation. Auch das filtert sich sozusagen durch eine Organisation durch und es bleibt im Wesentlichen immer was hängen. Es ist auch das 1 zu 1 Gespräch. Es sind Strategiepapiere. So whatever it is. Wir tun alles, was sozusagen diesem Ziel beiträgt und wir versuchen das auch möglichst nahe an der Anwendung, hands-on und sehr niederschwellig zu tun.
Dieter Brader: Hast du da konkretere Beispiele, wie ist denn das der ORF konkret angegangen, das Thema KI? Du hast jetzt Workshops genannt, du AI Days genannt, Sichtbarkeit vor allem im Unternehmen. Das heißt die Bandbreite ist wirklich breit, einerseits von Technik bis hin zur Weiterbildung und zur Schulung.
Stefan Kollinger: Genau, wir haben eigentlich, ich hab's gerade beim letzten AI Day gesagt, ich kann es jetzt nicht herzeigen, aber ich hab da auf PowerPoint Folie hergezeigt, da bin ich sehr stolz drauf, weil die ist jetzt über drei Jahre alt. Auf der ist sozusagen drauf gestanden, die grundlegende strategische Vorgehensweise. Nämlich wir wollen laufend das Thema Literacy im Unternehmen behandeln und auch nach extern hin oder nach außen hin. Wir wollen laufend die strategische Positionierung des ORFs bearbeiten, erklären, manifestieren im Kontext des Medienmarktes. Was wirkt auf uns ein als Risikovektor, was sind aber auch Chancen für den Medienmarkt und den ORF als Medienunternehmen, als Akteur in diesem Markt. Und das Dritte, dass wir eine Art Dachmarke intern ins Leben gerufen haben, AI Lab, unter der möglichst viele größere oder kleine, was auch immer, Pilotprojekte auf einmal passieren können, wollen und dürfen. Und da muss ich immer unserer Geschäftsführung auch die Credits geben, die das ja auch zugelassen hat. Muss man immer auch dazu sagen. Nicht weil ich muss, sondern weil ich will, weil das ist nicht sehr herkömmlich. Da federführend natürlich auch mein technischer Direktor oder Direktor für Technik und Digitalisierung Harald Kräuter. Das waren diese drei Säulen, die wir von Anfang an im Team beackert haben. Und das war schon Teil des Erfolgs, erster zu sein "unter Anführungszeichen" das zu tun. Es jetzt gar nicht ums Erster sein, sondern eher den frühen Zeitpunkt. Das merken wir schon jetzt auch in der Rückschau, dass das einen riesen Unterschied macht. Einfach mal loszulegen und das möglichst früh, davon profitierst du hinten raus enorm. Und aus dem heraus haben wir zuerst drei, mittlerweile sind es vier, konkrete Handlungsfelder definiert. Nämlich, dass wir sagen, wollen im Bereich der Redaktion oder des redaktionellen Umfelds aktiv werden, da mit dem Fokus auf prozessuale Unterstützung einmal initial. Die zweite Säule ist sozusagen der administrativer Bereich, wo wir davon ausgingen sind, dass man sagt, das wird ziemlich sicher, heute kann man sagen, das ist so die nächste Phase der Digitalisierung. Was eine neue Art von Zusammenarbeit, augmentierten Arbeiten und so weiter ermöglichen wird. Dritte Säule, Thema Barrierefreiheit. Wichtiges Thema für Medien generell, für öffentlich-rechtliche insbesondere und ja auch dann noch einmal durch den Regulator. Sage ich jetzt einmal festgelegt, im Wesentlichen müssen wir ja in den nächsten Jahren komplett barrierefrei werden. Stichwort Untertitelung zum Beispiel haben wir auch in unserer Online Hauptabteilung sozusagen gemeinsam mit den Bereich der Barrierefreiheit ein tolles Projekt umgesetzt rund ⁓ KI Untertitelung sozusagen. Und als vierte Säule ist dazugekommen das Thema Produkte, das wir im Wesentlichen Opportunitäten explorieren, also sei es jetzt so zum B2B-Produkt... B2C-Produkte. Jetzt in meiner Allgemeinheit.
Dieter Brader: Können wir noch bisschen deeper diven? Was mich wirklich interessiert ist, welche Projekte befinden sich jetzt bei euch im Medienhaus? In Bezug auf KI, wo du sagst, da arbeiten wir dran oder das hat jetzt einmal so super funktioniert oder welche Use Cases waren besonders super oder sind besonders tricky und challenging?
Stefan Kollinger: Ja, Also ich glaube das bekannteste ist mittlerweile, kann ich ausstellt, stolz sagen, ist unser AI-Editor. Das ist sozusagen unser Pilotprojekt gewesen rund den redaktionellen Bereich. Sprich ist unser KI-Environment sozusagen ein Stück Software, was alle möglichen KI-Modelle, Funktionen, Anwendungen aggregiert und in einem Single-Interface sozusagen an einem ganzen Konzern zur Verfügung stellt. Das Ganze hat ganz simpel begonnen. Also als LLM-Rapper, was eigentlich viele getan haben, was jetzt auch nicht sonderlich Magic war. Auch da wieder, was war die Magic dran? Wir haben das sehr früh an den ganzen Konzernen zur Verfügung gestellt und auch dank den Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel in der IT oder auch in der Geschäftsführung wieder, die uns das ja auch gemacht haben lassen, eigentlich von Beginn an sehr viele KI Modelle über den Bezug über Hyperscaler in einem datensicheren Umfeld zur Verfügung stellen können. Einmal als Playground, wo man sagt, ok, kannst du das nutzen in diesem und jenen Umfang. Modelle werden damit nicht trainiert, wir wissen auch wie die Daten laufen und so weiter, wir haben da unsere eigenen Landing Zones etc. So hat das eigentlich alles begonnen und ist dann eigentlich in der Zusammenarbeit, aber das muss man sich tatsächlich ein bisschen mehr in der Rückschau wie ein Start-up vorstellen, also in einer sehr agilen Zusammenarbeit mit einem ganzen Konzern und einer Vielzahl an Kolleginnen und Kollegen zu dem ausgewachsen, was es heute ist. Und heute ist es tatsächlich unser Medien-Production-Environment rund um die Bearbeitung von Texten mit KI, rund ⁓ die Bearbeitung von Bildern mit KI. Video spielt immer mehr eine Rolle, auch wenn noch in Summe natürlich eine untergeordnete. Da geht es teilweise tatsächlich mehr ⁓ Data Mining, gar nicht so sehr die Erzeugung von Bildern. Transkription ist ein Riesenthema. Das ist überhaupt gar nichts Neues gewesen. Aber was neu war, dass wir eben sehr schnelle Modelle einsetzen konnten und dadurch eine enorme Nutzung entstanden ist, weil wir einfach dann erkannt haben, was den Menschen vor allem wichtig ist beim Thema Transkription, dass das jetzt einmal schnell geht. Aus den unterschiedlichsten Gründen und auch die Zugänglichkeit. Egal ob sie jetzt on demand sozusagen im Feld draußen über Ihr Smartphone das machen wollen oder auf Ihrem Laptop in der Firma oder auch im Homeoffice oder wo auch immer mit einer lokalen Datei oder einer Datei aus irgendeinem großen Assetmanagementsystem. Es soll einfach funktionieren und schnell gehen. Und solche Dinge konnten wir damit auch adressieren bis hin zu etwas ganz Simpleren, nämlich Übersetzung. Wir haben jetzt nicht die Übersetzung neu erfunden. Aber eben Single Interface zu der Customer, da findet sich das alles irgendwie wieder. Bis hin zu einem ganz simplen Chat, also ChatGPT-artig, dass man auch das intern zur Verfügung stellt mit der Möglichkeit eine Vielzahl an Modellen auszuprobieren, auch damit zu lernen. Learning is... on the long run interessiert das eigentlich niemanden. Also welches Modell genau, das ist schon die Power-User-Gruppe, das ist nicht die Masse, ist aber auch in Ordnung so. Manches ist ja auch gar nicht so einfach zu erklären. und eben bis hin heute zu, haben vor, was haben wir heute, 18. Dezember eben am 4. Dezember bei uns im letzten Jahr unsere ersten Agents sozusagen released, was sind Agents, also teilautonome oder vollautonome KI-Prozesse nennen wir es einmal. Da spielen jetzt eine Vielzahl an Modelle und so weiter eine Rolle. Automatisierung eine Rolle. Im AI-Editor haben wir da vor allem immer diesen Fokus rund ⁓ Kreativwirtschaft sozusagen. Journalismus, redaktionelle Prozesse, Content, so im weitesten Sinne. Sprich: Das erste was wir mal getan haben ist Recherche-Agents zu implementieren. Da geht es jetzt nicht die Recherche zu substituieren, sondern zu unterstützen. Das ist halt im Wesentlichen so etwas wie ein Superpower, wo wir danach trachten, dass wir "Trusted sources", da kann ich immer Credits geben an unsere Nachrichtenagentur, die APA, integrieren, anbinden jetzt bildlich gesprochen. Und unsere Agents wiederum auf diese Sources, und das sind ja teilweise riesige Datenquellen, zugreifen können und die in semantischer Art und Weise in einem Conversational Interface am Konzern wiederum zur Verfügung stellen und diese Recherchen für mich durchführen. Und das funktioniert faszinierend gut sozusagen. Wir haben den Termin, das zu releasen, zweimal verschoben, weil das ist schon ein bisschen tricky, das sozusagen so hinzukriegen, wie es jetzt funktioniert, auch insbesondere unter dem Aspekt, dass man das im Griff hat, wie viel da eigentlich passiert. Das ist jetzt sozusagen keine Suche. Sondern, da passieren im Teil autonome Abfragen in einer Vielzahl an Systemen, sprich so ein Agent besteht aus einer, wir nennen es Familie, Sub-Agents. Irgendwann wird es hoffentlich mal einen sympathischen Begriff als Agent geben, wir mögen den gar nicht so sehr, aber irgendwie ist das gerade sozusagen der Begriff. Genau, und aus dem wird quasi Stand heute eine Recherche, ein Report runter-synthetisiert sozusagen nach unseren Vorgaben respektive den Wünschen der Kolleginnen und Kollegen und das haben wir jetzt einmal in einer Beta-Phase an alle released. Und da werden wir in den nächsten, ja, was ich nicht, wir denken immer so bisschen Quartalsweise, im Zuge des ersten Quartals sicher wieder viel Feedback bekommen, was gut ist, was schlecht ist, was wir gerne anders hätten und es entstehen auch immer eine Menge Ideen, was vielleicht noch alles geht sozusagen.
Dieter Brader: Das heißt, ein wichtiger Punkt, KI soll unterstützen, was du gesagt hast und nicht ersetzen. Wie ist denn so die Response von deinen Kund:innen, sag ich jetzt einmal intern? Wie wird denn das genutzt, was ist positiv und gibt es auch ein negative Stimmen auch?
Stefan Kollinger: Logisch, wenn es in einem journalistischen Medienhaus keine negativen Stimmen geben würde oder kritische Stimmen, dann wäre ich fast mehr besorgt als andersrum. Insofern, natürlich gibt es das. Aber auch da möchte ich unser allen wieder Credits geben. Auch das haben wir von Anfang an aktiv gefördert, zugelassen. Verhindern will man das sowieso nicht. Aber von Anfang an mit den Kolleginnen und Kollegen dahingehend eigentlich im Austausch. Das ist jetzt für uns gar nichts besonderes. Ich bin von Anfang an auch mit Kolleginnen und aus dem Betriebsratswesen zusammengesessen. Auch da... was man erklärt, auch die brauchen ja Inputs und Literacy und umgekehrt, damit man da eigentlich immer von Beginn an gemeinsame Wege findet. Sprich, haben da jetzt... es ist alles sehr organisch, das will ich damit sagen. Und ich glaube, ist auch das unique in der Situation, wir da mitgeholfen haben zu erzeugen im Haus. Dass das jetzt nicht... Wir haben niemanden gezwungen das zu nutzen. Also wir haben das jetzt auch nicht so beworben oder ausgerollt wie man klassisch Enterprisesysteme ausrollt, wo man sagt, so ab morgen arbeiten wieder mit, sondern wir sehen das auch in der Kurve, haben heute, wir haben heute... Also das ganz lineares Wachstum zum Beispiel gerade mit diesem System, jetzt sind wir halt bei 3300 Usern angekommen. Das sind... viel mehr gibt es nicht. Und wir haben im Tag mehrere hundert unique User. Es gibt auch gar nicht so viele Enterprise Systeme, die so viel genutzt werden im Alltag. Von so vielen uniqen Usern. Outlook hat natürlich sicher mehr User.
Dieter Brader: Ja, wenn man es zuhört, merkt man, und ich kann es wirklich unterstreichen aus der Arbeit bei mir von den letzten Jahren. Es geht nicht nur um die Tools, es geht um Haltung, es geht um Kultur, es geht um Lernen, es geht um die ganze Transformation im Haus. Dass man nicht von oben runterdrücken kann, sondern gemeinsam leben kann.
Stefan Kollinger: Genau. Das kann ich wirklich bestätigen, weil wir auch bei den Schulungen, wir haben mittlerweile mehrere hundert Kolleginnen und aktiv geschult. Im Sinne einer, nennen wir es mal Fachschulung, was jetzt zum Beispiel dieses System und das Umfeld angeht, Guidelines angeht, da gibt es den Jakob, den Marco, die Anna und so weiter. Wir haben ein KI Champions Programm ins Leben gerufen dieses Jahr, was im Wesentlichen eine Ganzjahres-Seminarreihe war, die kann dir verraten, ist im Wesentlichen über Nacht entstanden. Das wäre super und das nennen wir so, weil wir haben so eine School of Champions Serie, das klingt irgendwie cool, nennen wir das doch so, da bedienen wir uns irgendwie an dem Ding. Und das haben wir dann einfach so als Beta-Version einfach das Jahr durchgezogen, haben 60 Teilnehmer:innen gehabt und haben jetzt eine Menge KI Champions im Haus. Und haben aus unseren eigenen Erfahrung mit unserem eigenen Know-how mit eigenen Kolleg:innen, egal ob jetzt sozusagen Governance, die Martina oder die anderen mit sozusagen Literacy ganz generell und KI-fachspezifischen Themen oder auch Technologiekompetenz unsere eigenen Kolleginnen und Kollegen auch sozusagen versucht upzuskillen im wesentlichen... Und da geht es jetzt nicht nur KI das ist auch Digitalisierung und generell Technologiewissen. Das hat super funktioniert nämlich. Nächstes Jahr wird das noch sogar noch ein bisschen größer Und es werden noch mehr Kolleginnen und Kollegen aus dem Haus selbst als Vortragende teilnehmen. Und daraus kann wirklich so bisschen so ein Flywheel entstehen, wo sich Menschen einfach selbst helfen sozusagen und auch weiterbringen. Weil es gibt immer jemanden, der was dazu weiß in so einem großen Unternehmen. Genau. Und ich bin immer ein Fan davon die Menschen also sozusagen stärken, stärken. Ganz simpel.
Dieter Brader: Das heißt, Neugierde ist ein Punkt dabei, Mindset, Lernkultur, das sind so entscheidende Faktoren, nicht nur die Technologie. Und die ganze Transformation ist eben nicht nur technologisch, sondern was ich höre ist sie wirklich sehr, sehr menschlich. Und die Leute immer wieder mit an Bord holen und den Austausch und die Governance zu gewährleisten. Hat es für dich während den letzten drei Jahren, also vor drei Jahren ist die ganze KI-Geschichte sozusagen losgegangen mit Open AI, hat es für dich jetzt einen Punkt gegeben, an dem sich dein Blick auf die KI grundlegend positiv verändert hat? Wo du gesagt hast, wow, das ist mind-breaking, ich habe jetzt wirklich einen neuen Moonshot irgendwo, riesiges Ziel zum Anvisieren. Hat sich da irgendwas entwickelt? Sicher?
Stefan Kollinger: Ja, das kann ich jetzt nicht erzählen. Nein, haben, das erste was mir natürlich sozusagen in den Sinn kommt ist, wir haben alle möglichen auch Produktvisionen entwickelt. Weil was wir schon erkannt haben am Weg, es gibt jetzt unterschiedliche Dimensionen der KI-Nutzung, Einflusses von KI auf Gesellschaft, Industrien und so weiter. Sprich, es gab ab einem gewissen Zeitpunkt einen Moment, da haben wir eigentlich erkannt, dass man eigentlich... Eigentlich sprechen wir von einem Industrialisierungsprozess, der jetzt global passiert. Das ist jetzt nicht nur ein weiterer Schritt der Digitalisierung sozusagen. Aus dem Titel heraus haben wir uns schon auch gewagt... Ich sage mal neue Produktkategorien auch zu ersinnen, wo wir glauben, dass die entweder entstehen werden oder es vielleicht sinnvoll wäre, dass sie entstehen. Entweder für den Medienmarkt oder für den ORF als Medienunternehmen, entweder als Plattformmodell oder einfach als Produkt. Ich kann es jetzt nicht konkret... Aber das war der Moment, der für mich sehr positiv war im Sinne, weil wir glaube ich erkannt haben, dass sozusagen auch Unternehmen und Märkte in die Lage versetzt werden, Dinge zu tun und bei Dingen vielleicht wieder mitzuspielen, was bisher ausgeschlossen war. Hier hat er plötzlich allgemein formuliert, aber es ist schwierig, anders zu formulieren.
Dieter Brader: Ich schau mir gerne die ganze Zeit in Bild an, Armin Wolf und so weiter. Und ich denk mir dann immer wieder, ich hätte eigentlich einen Armin Wolf ... der mir die ganz persönlichen Nachrichten nicht nur um 22 Uhr oder wann auch immer oder wo auch immer mir persönlich zur Verfügung stellt. Und nicht nur mir, sondern allen Österreicherinnen und Österreichern. Ist das möglich?
Stefan Kollinger: Das ist sicher möglich. wüsste aber nicht... Also aus meiner persönlichen Sicht braucht es das nicht, diesen Avatar. Warum sollte ich den Armin Wolf substituieren oder klonen? Großer Fan von Armin Wolf, nicht falsch verstehen sozusagen. Aber die Realität zu substituieren durch etwas Künstliches, das ist aus meiner Sicht nicht das, wo du groß... beneficial parts sozusagen auf Künstlicher Intelligenz... aus irgendeiner Art von Personalisierung, Hyperpersonalisierung usw. in diesen Kontexten möglich ist... wahrscheinlich eintreten wird und wenn es auch andere machen. Ich persönlich halte von dem Avatar-Thema, also vor allem Menschen zu klonen, wenig. Der ORF derzeit auch nicht, wenn man in die Guidelines rein liest, was wir uns derzeit erlauben und nicht erlauben. So würde ich es mal beantworten. Ich glaube, dass die Chance eben vor allem in den klassischen Segmenten und oder Mediengattungen darin liegt, dass das ja unter Umständen ein bisschen eine Befreiung ist, sich auch in diesen Segmenten vielleicht wieder Neues und Anderes zu wagen. Was ein bisschen aus der Norm auch ausbricht, weil die Norm ist sozusagen der Freund der künstlichen Intelligenz und das ist unter Umständen wiederum die Gefahr für den Status quo einer Sache, dass man sie substituiert, sprich sprich Medienmacher:innen vorallem Mut zu, unique zu sein. Weil die Uniqueness ist vielleicht für datenbasierte replizierende Systeme schwieriger zu handeln.
Dieter Brader: Welche Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz werden die Medienhäuser am stärksten verändern? Das heißt wir erleben momentan die Textoptimierung, du hast gesagt mit eurem AI-Editor, gehts ja tiefer in die Recherche rein, da tut sich ja schon einiges in diesem ganzen GenAI Bereich. Was sind so die nächsten Schritte, die jetzt auf Medienhäuser sozusagen einprallen, wo es eine nächste größere Bewegung oder nächste größeren Innovationsschritt gibt.
Stefan Kollinger: Naja, ich glaube, ist sozusagen das, was potenziell am meisten Veränderung hervorrufen wird, sind neue Produktkategorien, Änderungen im Nutzungsverhalten und dahingehende Marktveränderungen, sprich neue Player, die mit neuen Angeboten Nutzer:innen im digitalen Raum auf diese Angebote erfolgreich ziehen werden. Ja, oder... das ist eigentlich der Punkt. Der Faktor ist sozusagen jener, der den größten Einfluss auf unsere Märkte und Unternehmen haben wird aus unserer Sicht. Stichwort KI-Mode, mir geht es gar nicht Google oder das irgendwie... Sondern, aber das ist eben so eine neue Produktkategorie, die hat heute schon Impact im Traffic, Links, Vermarktung, Visibility und so weiter. Wir haben uns darauf gut vorbereitet.
Dieter Brader: Zum Schluss noch vielleicht in Empfehlung ein Tipp an Redaktionen oder Newsrooms oder Medienhäuser, die vielleicht erst jetzt beginnen mit KI zu arbeiten. Was ist da so deine Empfehlung? Wie könnten Sie am besten starten?
Stefan Kollinger: Also am besten, also wirklich was am schnellsten, am meisten bringt und die größten Learnings ermöglicht ist, dass man möglichst etwas zum Anfassen bereitstellt. Nicht so viel darüber theoretisieren, im Sinne der Exklusivität, sondern am besten ein Tool, ein Werkzeug, eine Sache bereitstellen, mit der auf einmal beginnen zu arbeiten, zu testen, zu explorieren. Und dann zu diskutieren auf Basis der gemachten Erfahrung und so weiter. Das ist hochproduktiv, macht sehr vielen Menschen Spaß, führt zu tollen Ergebnissen und auch zu wesentlich besseren Diskussionen, die wiederum zu besseren Ergebnissen führen, als wenn man in der Theorie beginnt.
Dieter Brader: Stefan, vielen Dank, das war super spannend, danke für die tollen Einblicke, weise Ihnen alles Gute, Ciao!
Stefan Kollinger: Danke.