Dieter Brader: Na gut, dann machen wir mal. Jakob, viele kennen dich ja seit Jahren als Tech-Journalist und Mitgründer von Trending Topics. Und inzwischen bist du jetzt nicht nur mehr Beobachter vom Medienwandel selber, sondern auch selber Teil davon. Ich habe mal mitbekommen vor längerer Zeit, auch damals als ich im Newsroom war, dass du mit newsrooms.ai ein Produkt geschaffen hast, das jetzt wirklich in den redaktionellen Alltag und in die Arbeitsweisen eingreift. Vorab interessiert mich einmal, wie fühlt sich für dich dieser Rollenwechsel an, vom Beobachter hin zum Gestalter, direkt in die Redaktionen rein?
Jakob: Ja, das ist natürlich eine sehr spannende Geschichte, die wir da hingelegt haben. Man muss ja dazu sagen, wir sind jetzt noch zwei Firmen, also Trending Topics, wie man es kennt und hoffentlich liebt, gibt es ja weiter wie gewohnt. Und newsrooms.ai ist die Mutterfirma des Ganzen und das mache ich ja nicht ich alleine, sondern der Bastian Kellerhofer, Mitgründer von Trending Topics, ist mit dabei. Und wir haben uns quasi ergänzt ⁓ technische Co-Founder, den Matteo und den Alex, die haben wir direkt von der hochbegabten Förderung der HTL Spengagasse quasi weggeheuert. Ganz am Anfang haben die bei uns das newsrooms.ai Projekt intern als Praktikanten begonnen und sind mittlerweile quasi Co-Founder auf Augenhöhe. Das heißt wir sind ein Viererteam, die das machen. Und naja, worum geht es? Also letztendlich den sinnvollen Einsatz von KI, von Large Language Models im Bereich der Content-Erstellung. Das sind einerseits Medienunternehmen, andererseits aber auch Organisationen, Unternehmen für die du unter anderem auch tätig warst. Die einfach viel kommunizieren, viel Content produzieren für zig Kanäle, für die eigene Webseite, für Blogs, für Social Media Kanäle, für interne Kommunikation wie Newsletter, Präsentationen, was auch immer. Und aus den, ja mittlerweile sind es dann bald 20 Jahre, die ich da in dieser Medien, die ich in dem Medienzirkus unterwegs bin, weiß man ja und ist eher ein No-Brainer... Content-Produktion ist eine aufwändige Arbeit und die ist ja über die Jahre, Jahrzehnte immer mehr geworden. Also wie ich begonnen habe, damals beim Kurier als kleiner Praktikant, da war das Tagessoll ja ein Bruchteil dessen, was man heute als eine Person in einem Content-produzierenden Unternehmen macht. Also damals habe ich halt paar Kurzmeldungen geschrieben, die dann in die Tageszeitung
Dieter Brader: Hm. Hm.
Jakob: gedruckt wurden. Würde ich immer noch gerne machen ums gleiche Geld, weil dann wäre ich wahrscheinlich reich. Weil heutzutage ist es ja nicht damit getan, einen guten Text zu verfassen. Sondern das ganze Drumherum, das der Leser oder der Rezipient nichts sieht, gehört ja auch dazu. Also heute wird erwartet, dass man als Journalist, als Contentproduzent eine Eierlegende-Wollmilchsau ist. Also man soll gleichzeitig YouTube, Podcasts, Social Media...
Dieter Brader: Genau.
Jakob: Texte bespielen, dann noch die ganze Kommunikation rundherum, die Software und so weiter bedienen. Also sehr, sehr viel zu tun und mit Newsrooms, um es auf den Punkt zu bringen, wollen wir diese Contentarbeit erleichtern. Also wir sagen immer, wenn du newsrooms.ai benutzt anständig, kannst du 1-2 Stunden Zeit am Tag sparen, die du dann für andere Tätigkeiten über hast.
Dieter Brader: Mh. Das heißt dann hör ich raus, das war so der Moment, wo du gesagt hast, es gibt viele Kanäle, es gibt viel zu tun, machen wir doch selber ein eigenes Produkt. Bauen wir doch selber etwas dafür, oder? War das da so dieser springende Moment?
Jakob: Genau, also November 2022 ist für viele der Urknall der Generativen KI. Also ChatGPT wird geloungt, alle spielen damit herum. Ich bin dann auch da gesessen und hab mir überlegt, was könnte ich damit anstellen. Und hab gesehen, na gut, das kann ich irgendwie auch ganz vernünftige Texte verfassen, aber eigentlich keine Texte, die ich jetzt so eins zu eins veröffentlichen würde. Hab mich dann auch wieder hingesetzt und hab sie dann quasi wieder umgeschrieben, so dass sie dann für meinen Usecase, also in dem Fall Trending Topics, passen. Und da haben wir dann gedacht, nein, das muss doch irgendwie besser gehen. Also das muss man doch irgendwie technisch hinbekommen, dass das so schreibt wie ich. Also die große Vision ist dann letztendlich, dass man als One-Man- oder One-Woman-Show ein ganzes Newsportal betreiben kann, mehr oder weniger auf Knopfdruck. Das ist die große Vision. Also das ist natürlich ein weiter Weg dahin, aber technisch ja aus heutiger Sicht ja nicht unmöglich. Dann hat es so begonnen, dass ich mich dann auf die Suche gemacht habe nach jungen Talenten, die das auf der technischen Seite hinbekommen. Damals war oder ist jetzt noch, aber damals noch mehr, ein Startup namens Magic in Österreich ein ziemlicher Hype, weil der Gründer Eric Steinberger und Sebastian De Ro, die sind damals schon in die USA gegangen.Und haben sehr viel Geld dort geraised. Die machen dort im KI-Bereich ein eigenes Large Language Model für Coding. Die haben wir bis dato mehr als eine halbe Milliarde Dollar geraised. Damals war die halbe Milliarde noch nicht besammelt, aber habe sie damals interviewt und gefragt, wie können zwei so Jungspunde wie ihr, wie kann man das drauf haben und derart im Silicon Valley durchstarten. Sie haben erzählt, dass ein wichtiger Faktor der Herr Professor Harald Zumpf für sie war. Der ist an der HTL Spengergasse in der hochbegabten Förderung und hat Sie eben sehr gefördert. Und dann habe ich Kontakt aufgenommen mit dem Harald Zumpf und habe auch ein Interview mit ihm geführt und habe ihn gefragt, du Eric, Sebastian, zwei Talente, welche anderen Talente gibt es noch bei dir? Und da hat er mir damals genannt, eben den Matteo und den Alex, ich hab die sofort kontaktiert, wir haben uns im Caféhaus getroffen und nach ca. 20 Minuten war klar, dass wir was miteinander machen. Die zwei haben als Praktikanten bei uns begonnen und das Projekt ist dann immer größer geworden. haben das zuerst quasi zum Eigenzweck entwickelt, haben dann aber relativ schnell gesagt, naja, das wäre ja eigentlich irgendwie auch für andere sinnvoll. Und so kam es dann Schritt für Schritt zu dem, was es jetzt ist, also ein Software-as-a-Service-Service-Produkt.
Dieter Brader: Mhm. Mhm.
Jakob: Das als eigene Firma mit eigenen Investoren, mit einem eigenen Gründerteam dasteht und jetzt eigentlich die Mutter von Trending Topics ist. Das Töchterchen wurde in Trending Topics geboren und ist jetzt quasi der Überbau, man so will.
Dieter Brader: Ja, mega. Das heißt... Can AI help you...? Das ist ein Podcast über Künstliche Intelligenz, Digitale Transformation, Medienwandel, Kommunikation und die Frage, wie Menschen und Organisationen sinnvoll und vor allem wertschöpfend mit neuen Technologien umgehen können. Heute bist du dabei, Jakob Steinschaden, mit deinen Perspektiven, mit deinen Erfahrungen und mit deinen Produkten bzw. mit deinem Produkt newsrooms.ai. AI. Und die Episode folgt der Frage "Can AI help you... automate editorial workflows? Yes, I can. Yes, Jakob can. Wenn ich heute in die Redaktionen schaue, wenn ich in die Newsrooms blicke, wenn ich in den Channel schauer, dann habe ich vorhin schon kurz erwähnt, hört man immer sehr ähnliche Geschichten. Zu wenig Zeit, zu viele Kanäle, vor allem steigender wirtschaftlicher Druck und gleichzeitig der Anspruch, die Qualität hoch zu halten. Was glaubst du, wo liegen aktuell die größten Reibungspunkte in redaktionellen Abläufen - und immer in Hinblick halt, wie kann KI bei weiterhelfen.
Jakob: Also ich muss sagen, so mit Ende 2025 haben jetzt wahrscheinlich 90-95 % der Branche begriffen, dass sie KI einsetzen werden müssen. Es gibt dann vor allem bei älteren Semestern dann immer noch Vorbehalte. Da ist man manchmal ein wenig zurückhaltend, was Neuerungen aller Art angeht, aber so insbesondere halt auch KI. Während viele jüngere... offenere Leute in den Redaktionen... die sagen ja klar wollen wir das benutzen oder benutzen es schon. Es gibt ja diese ganz große Diskussion rund ⁓ "Ersetzt die KI Jobs", "kommt der Stellenabbau"... Das mag in anderen Branchen so sein aber ich glaube im Medienbereich ist die Geschichte umgekehrt. Also diese Kürzungen die gibt es ja schon seit vielen Jahren. also von Jahr zu Jahr müssen Medienunternehmen und man bekommt auch immer die News dazu, 5, 10 bis 15 % der Belegschaft kürzen. Das hat jetzt per se nichts mit ChatGPT und Co. zu tun. Sondern, ist generell ein Industrieproblem. Und deswegen sehe ich die KI sehr wohl als eigentlich die No-Brainer-Lösung. Also wenn ich immer mehr Personal abbauen muss aufgrund von Kostendruck, aber der Workload gleich bleibt, dann muss ich diesen Gap einfach ausgleichen. Und da kann man dann noch sagen, vielen Dank an die schlauen Leute da draußen, die damals das White Paper für die Transformer Modelle geschrieben haben. Weil auf dem baut heute sehr vieles auf, was man mittlerweile sehr sinnvoll auch im Redaktionsalltag einsetzen kann. Und konkret runtergebrochen auf Usecases, die man mit newsrooms.ai abbilden kann. Also da gibt's viele davon. Ich greife jetzt ein paar plakative heraus.
Dieter Brader: Super.
Jakob: Ich mache das Interview, nehme es auf mit dem Smartphone, schicke die Audiotatei in das System, die wird automatisch transkriptiert, auch mit Speakererkennung. Und kann dann, wenn ich mir das System auch so eingerichtet habe, eigentlich auf Knopfdruck ein Q&A Interview daraus generieren, was schon schön geschrieben ist, eine geschriebene Geschichte, ein Portrait zu der Person, die ich interviewt habe und viele Dinge mehr. Oder was im Redaktionsalltag bei großen General Interest Medien natürlich jeden Tag hundertfach vorkommt... Man bekommt Agenturmeldungen, Presseaussendungen, dutzendfach, hundertfach, manche Redaktionen wahrscheinlich tausendfach... Und die müssen halt dann sehr schnell umgearbeitet werden und veröffentlicht werden. Das war oder ist immer noch sehr viel Handarbeit. Also da wird eigentlich ein Ausgangstext genommen und händisch in eigene Worten wiedergegeben und das wird vielleicht noch was aus dem eigenen Archiv ergänzt. Und das kann man mittlerweile schon sehr, sehr gut automatisieren. Also mit entsprechenden Einstellungen im System kann man den KI-Modellen lernen, wie ein Medium oder wie ein Redakteur, wie dessen Sprache, Stil, Tonalität aber auch formelle Dinge die Formate der Inhalte sind und sich dann schon sehr gute Entwürfe ausspucken lassen. Manches davon kann man eigentlich eins zu eins publishen, manches will man noch überarbeiten. Vielleicht noch die eigene Note reinbringen, vielleicht noch was ergänzen, vielleicht was wegkürzen, was auch immer. Aber man kommt halt sehr schnell zu einem Ergebnis. Also wenn man früher gebraucht hätte 20, 30 Minuten, vielleicht bis zu einer Stunde, ⁓ eine Agenturmeldung oder eine Presseausendung umzuarbeiten, dann kann man da ja schon Richtung fünf Minuten und weniger kommen. Und das ist halt dann schon ein enormer Zeitgewinn, wenn Organisationen, Medienhäuser wollen, dass einzelne Content-Arbeiter halt jeden Tag 10, 20, 30 Content-Pieces produzieren. Das geht dann halt oder man kann in die Richtung kommen, dorthin zu gehen. Oder anders, man gewinnt halt einfach mehr Zeit für die, sage ich jetzt mal wirklich, wichtigen Dinge im Journalismus. Also rausgehen, die Leute interviewen, mit den Leuten reden, die treffen, sich die Sachen wirklich anschauen und man muss die Tastaturarbeit... die kann man ein bisschen zurückfahren. Das sind so die Ansätze, die wir haben. Und wir werden natürlich oft gefragt, was ist jetzt der Unterschied zu ChatGPT?
Dieter Brader: Das ist die nächste Frage. Frage, Frage, Das ist die Das ist die die ich habe... Mit dieser Frage werde ich auch öfter konfrontiert. Das war damals, wo wir bisschen ausprobiert haben, das newsroom.ai. Damals noch im ganzen Content-Team. "Wir haben den Co-Piloten!" Was ist der Unterschied? Ich habe versucht zu erklären... Erklärst du, wo stoßen diese klassischen Tools wie ChatGPT, Perplexity an ihre Grenzen?
Jakob: Ja, absolut.
Dieter Brader: Und wobei kann newsrooms.ai weiterhelfen?
Jakob: ChatGPT ist keine Software, die entwickelt wird und wurde, mit dem Hintergedanken Content-Arbeitern dabei zu helfen, ihre Arbeit besser zu machen. ChatGPT wird positioniert als Suchmaschine, als psychologischer Helfer im Alltag, als Ernährungsassistent, als Lernhilfe und noch sieben andere Dinge. Aber nirgendwo bei OpenAI wurde jemals gesagt, dass sie in die Richtung gehen wollen, Content-Arbeitern im Arbeitsalltag zu helfen. Und es wird auch immer stärker in die Richtung getrieben, dass es eine Suchmaschine, eine KI-Suchmaschine als Alternative zu Google ist. Und die wird sehr bald werbefinanziert werden. Das heißt, die Ergebnisse, die Texte, die ich dort bekomme, die werden immer stärker gefärbt werden von zahlenden Werbekunden. Und das sind alles Dinge, die man in einer Redaktion oder auch in einem Corporate Newsroom ja eigentlich nicht will. Also ich will keine, wie auch immer geartete, externe Beeinflussung meiner Inhalte haben, weil dann kann ich den Text gar nicht mehr brauchen und kann ihn dann gleich selbst wieder schreiben. Und Stichwort Copilot, also Microsoft hat ja auch ordentlich auf die Pauke gehaut. Und mittlerweile kommen da schon die Studien raus, dass diese Copilots zwar in vielen Unternehmen ausgerollt wurde, weil Microsoft natürlich tief eingegraben ist, gerade in großen Enterprises. Und dann der Copilot dann noch dazu verkauft wird, aber so wirklich angekommen ist er dort nicht. Also ich habe kürzlich eine Statistik gesehen. Nummer 1 Nutzung von Copilot ist die Frage nach Gesundheitsthemen. Also offenbar sitzen Leute in der Arbeit und fragen den Copilot, was sie gegen Kopfschmerzen wegen langer Bildschirmarbeit machen sollen. Aber ich glaube es wird weniger dazu benutzt, um wirklich effizienter zu sein. Und diese, egal ob ChatGPT oder Copilot oder andere Systeme, es sind halt Chatbots, mit denen ich ein bisschen, oder nicht ein bisschen, aber viel plaudern kann und so weiter. Aber es ist halt keine Arbeitssoftware. Es wird oft als Arbeitssoftware verkauft, aber es ist de facto keine. Und wir haben uns das eben zur Aufgabe gesetzt, die Software so zu designen, dass man wirklich damit arbeiten kann. Sinnvoll vom Input bis zum Output. Und bei uns ist auch kein Chat eingebaut. Also ich chatte dort nicht mit newsrooms.ai, sondern ich benutze es quasi wie ein, wie kann man sagen, wie ein Word des KI-Zeitalters.
Dieter Brader: Vielleicht eine ganz kurze Zahl dazu. Ich habe ja Masterarbeit geschrieben, vor zwei Jahren. Damals haben 5 % der befragten Newsrooms in Österreich noch keine KI genutzt oder noch keine Berührungspunkte gehabt. Jetzt auf Nachfrage haben sie 100%. Also bestätigt es das, was du gesagt hast. Und die KI, die am häufigsten verwendet wird, ist der Copilot. Also zu 100%. Deswegen weil Office oder Word und die ganzen Office-Backages sowieso dabei sind. Unabhängig davon, ob das jetzt gut performt oder nicht. Ist die andere Frage. Wenn du jetzt in die Praxis schaust und reinblickt in die Unternehmen und Teams, die newsrooms.ai verwenden, gibt es Momente, wo du merkst, die Teams arbeiten jetzt wirklich anders als zuvor. Das hat wirklich einen immensen Impact gehabt. Diese Usecases, die ihr definiert habt zum Beispiel.
Jakob: Ja absolut, ich glaube es ist schon mal immer ein erhebender Moment, wenn man dann mit einem Team dann wirklich vor Ort zusammenarbeitet und die Kommunikationsaufgaben, die newesrooms.ai übernehmen soll, definiert. Weil dann merkt man richtig, dass aus einer leichten Zurückhaltung dann die Ideen sprudeln. Da gibt es dann 10, 20 neue Ideen, was man dann nicht noch für Features einbauen könnte, welche Agents dann nicht noch… weil sie angedockt werden können. Und das ist dann schon sehr positiv. Also wenn man wirklich sieht, dass dann ein Team sich denkt, okay, also diese 10, 20 mühseligen Tasks, die wir eigentlich jeden Tag haben, die uns gar nicht freuen, die uns eigentlich so von der echten Aufgabe abhalten... Dass die KI die dann übernehmen kann, das sieht man schon, dass dann oft so ein Ruck durch die Belegschaft geht. Und klarerweise, also jüngere, digital-affinere, die wollen das eigentlich haben, also ganz junge und die auch bei uns beginnen, die setzen das eigentlich voraus, dass sie solche Tools zur Verfügung gestellt haben. Das ist dann gar keine Frage mehr, ob sie das dürfen, sondern: "Wo ist bitte das Login?". Das ist eigentlich die erste Frage. Also das heißt quasi als Arbeitgeber, so in die nahe Zukunft gedacht ist, wenn man junge Talente bei sich haben will, also die setzen das mal voraus, dass sie solche Tools bekommen. Also die sehen das überhaupt nicht ein, warum sie KI nicht benutzen dürfen sollten. Also da stellt sich halt die Frage gar nicht mehr. Also das wird dann auch des Öfteren darüber entscheiden, welche Talente bei welchen Firmen anheuern oder auch nicht.
Dieter Brader: Das sind immer wieder die zwei gleichen Sachen, die ich in den Gesprächen heraushöre und aus der Erfahrung. Du hast auf der einen Seite die Technologie, die Tools, die KI-Tools und auf der anderen Seite die Haltung und die Kultur im Unternehmen. Das muss matchen. Hast du andere Erfahrungen gemacht? Was braucht es noch, damit die KI im Unternehmen erfolgreich eingesetzt wird?
Jakob: Naja, die zwei genannten Dinge sind natürlich wichtig, ich glaube am wichtigsten ist eigentlich, dass die Leute, die das benutzen und die Testphase durchgehen, am Ende wirklich sagen, gut, das ist mir wirklich das Geld wert, das erleichtert wirklich meinen Arbeitsalltag. Das ist eigentlich letztendlich die entscheidende Frage. Kann man wirklich einen spürbaren, messbaren Effizienzgewinn haben? 10, 20 Prozent? lingt jetzt nicht viel, aber ist ja sehr viel. 20 % ist ja ein Viertel des Arbeitsalltags oder ein Viertel des Outputs, was auch immer. Und das ist dann schon sehr viel. Also das ist dann, das ist wahrscheinlich die Kernfrage. Und darüber hinaus gibt es dann natürlich, und wir sind in Europa, Datenschutz und Security-Themen. Es gibt sehr oft die Anforderungen, ass man mit bestehenden Legacy-Systemen integriert werden kann über API-Schnittstellen und so weiter. Dafür sorgt dann halt unser Tag-Team, die das möglich machen. Insofern gibt's dann schon immer schon drei, vier, fünf Stellschrauben, die dann passen müssen. Und man muss natürlich auch sehr
Dieter Brader: Cool
Jakob: sehr flexibel sein. Es gibt, wie ich schon vorher gesagt habe... Je mehr Leute du hinsetzt, umso mehr Ideen gibt es, was das nicht noch alles können soll. Dementsprechend gehen die Ideen ja nie aus, wie man das weiterentwickeln kann. Es gibt auch ganz unterschiedliche Nutzertypen. Es gibt Power-User, die sind schon super-hard im Thema drinnen. Die schreiben sich die Systemprompts am liebsten, selbst. Und dann gibt es halt welche, die halt keine rompt-Ingenieure werden wollen oder geworden sind, die das halt einfach benutzen wollen. Für beide ist es eigentlich möglich. Also man kann es dann quasi auf einer sehr tiefen Ebene benutzen, aber auch auf einer sehr oberflächlichen Usability-Ebene, wo man halt dann letztendlich nur mehr auf ein, zwei, drei Knöpfe drücken muss, um dann trotzdem ein Ergebnis zu bekommen. Also es geht beides. Und es gibt auch beides in Unternehmen. Also man hat von bis KI Wissensstand letztendlich.
Dieter Brader: Wenn du KI generell hernimmst und persönlich jetzt draufschaust mit deinem Blick auf Journalismus, was hat die KI mit Journalismus und Medienarbeit gemacht in den letzten Jahren?
Jakob: Ich denke es hat schon sehr stark verändert. Da gibt es natürlich zwei Bereiche. Der eine ist quasi das Umfeld selbst in den Medien handeln und das andere ist wie Medien selbst benutzen. Beginnen wir vielleicht beim Punkt 1. Da sind ja schon vor dem Launch das Google AI Mode und so weiter, der Google AI Overviews, die Schreie sehr laut gewesen in der Medienbranche, die gesagt haben: "Na gut, also wenn Google jetzt dann nicht mehr zu uns oder zu anderen verlinkt und die Ergebnisse dann selber mit der KI hinschreibt. Wo bleiben wir dann?" Und das hat sich zu gewisser Weise auch bewahrheitet. Man sieht es international und ich glaube in Österreich gibt es auch schon die ersten Anzeichen, dass einfach die Zugriffe, die halt in erster Linie Google, aber generell halt KI, Suchmaschinen, den Traffic, den sie liefern, dass der halt sinkt. Das war ja über die letzten Jahrzehnte ein teilweise sehr gewinträchtiger Bereich. Die SEO-Spezialisten und SEO-Agenturen in diesem Land und Europa sind wahrscheinlich sehr viele, die halt dafür gesorgt haben. Also, wie wie kann man so radikal Content optimieren, dass Google möglichst viele User zu einem rüberschiebt. Das ist ja eine eigene Profession. Und die wird disrupted und damit viele andere Dinge auch. Und für Medienunternehmen, auch für viele andere E-Commerce-Betreiber, was auch immer, alle die irgendwo im Internet gefunden werden wollen, für die wird es halt immer wichtiger, dass sie halt gut in diesen KI-Antworten ranken. Also bei ChatGPT, bei Google Gemini in erster Linie, bei Perplexity und so weiter gibt es natürlich auch, aber das ist… eher noch zu vernachlässigen. Also, das ist überschaubar, kann man sagen. Die zwei sind aktuell: ChatGPT und Google. Das ist dann schon wichtig, wenn man Content erstellt und mit Hilfe von KI Content erstellt. Dass der auf der einen Seite unverwechselbar ist, auf der anderen Seite aber nicht nur für den Menschen geschrieben ist, sondern auch für die Maschine. Wenn man gefunden werden will. Dann muss das halt auch so raufbereitet sein, dass ChatGPT halt immer einen guten Grund hat dich zu zitieren und nicht jemand anderen und den Link zu dir zu setzen und nicht zu jemand anderen. Also das ist aktuell so bisschen die Kunst. Das ist ja ein sehr junger Bereich und das ändert sich ja eigentlich fast täglich. Also die Google-Algorithmen, die sind ja… 20, 25 Jahre gelernt worden und irgendwann... Vor ein, zwei Jahren sind die dann sogar geleakt und das hat aber keinen groß überrascht, weil man schon ungefähr wusste wie die so laufen. Bei ChatGPT weiß man es eigentlich nicht so. Das ist halt kein Search Index, sondern das ist halt was eigenes und da ist jetzt eine ganze Industrie daran herauszufinden wie man am besten damit umgeht. Und OpenAI hat auch einen anderen Ansatz. Google war ja immer so Open Web Vorreiter. Was man jetzt bei ChatGPT sieht und die neue CEO von OpenAI, war vorher für die Facebook-App zuständig... Da geht es schon sehr stark ⁓ ein in sich geschlossenes System, was eigentlich ganz wenig Dinge nach außen lassen will. Jetzt gibt es kurz die Apps in ChatGPT da haben auch die ganz großen abgeliefert... Adobe mit Photoshop und so weiter. Das soll man halt alles innerhalb von ChatGPT benutzen und nicht von dort woanders hingeleitet werden. Also das ist natürlich schon ein Paradigmenwechsel.
Dieter Brader: Da sind wir jetzt schon wieder im Zukunftsausblick, was sich fundamental ändern wird. heißt, wird sehr viel eigentlich unter der Motorhaube verschwinden, wo wir früher vielleicht einen Zugriff gehabt hätten. Welche Kompetenzen, schauen wir einmal auf die Newsrooms wieder selbst, auf die Menschen, die darin arbeiten... Welche Kompetenzen brauchen Journalistinnen, Journalisten, Content-Arbeiter:innen künftig unbedingt?
Jakob: Naja, also ein gewisses Grundverständnis für KI auf jeden Fall. Schadet sicher nicht. Was ich nicht glaube, ist, dass jetzt die komplette Belegschaft eben zum Promptmeister werden muss. Wir vereinfachen das sehr stark. Die KI-Systeme selbst werden sehr stark weiterentwickelt. Also dieser Standard-Sager, den man vor zwei Jahren noch hatte, naja, das neue Berufsfeld, das große, das ist irgendwie Prompt Engineering... Das hört man halt nicht mehr, weil es einfach nicht stimmt. Letztendlich, was ist ein Prompt? Ich rede mit einer KI und eine KI wird mich immer besser verstehen können und ich muss immer weniger mir überlegen, wie ich jetzt eine Anweisung formuliere, um etwas zurückzubekommen. Also ich muss halt eben kein Promptmeister werden, sondern man wird halt einfach mit Computern reden. Letztzeitig wird sich der Content-Ersteller, der Redakteur aus meiner Sicht schon sehr stark auf das fokussieren, wofür er eigentlich bezahlt wird oder erdacht wurde. Der soll eben die schwierige Recherche machen, die die Leute treffen und so weiter. Und wenn ich dann weiß, wie ich mit einem KI-Agenten umgehe, ⁓ keine Ahnung, riesen Datenbestände zu durchforsten und valide Ergebnisse… daraus zu gewinnen, umso besser.
Dieter Brader: Wenn du jetzt auf newsrooms.ai schaust, was macht du jetzt für die nächsten Jahre die größte Hoffnung, die größte Freude und den größten Spaß?
Jakob: Naja, dass das Umfeld so dynamisch ist, es wird ja nicht langweilig. Im Wochenrhythmus gibt es neue KI-Modelle und jetzt mittlerweile nicht mehr nur von den großen Playern aus den USA, also OpenAI, Google, Anthropic, sondern man sieht jetzt zum Beispiel im Bildbereich Black Forest Labs aus Deutschland, dass die halt dann in bestimmten Bereichen halt auch KI-Modelle an den Start bringen können, die mithalten können mit den ganz großen. Da erwarte ich mir schon sehr viel. Es wird glaube ich sehr viel immer spezialisierter KI-Modelle geben für dezidierte Verticals, Spartenbereiche. Das wird sehr spannend sein. Also im OCR-Bereich zum Beispiel, also Optical Character Recognition, was ja nicht unwichtig ist für den Redaktionsbereich. Also wenn ich jetzt zum Beispiel meine dahin gekritzelten Notizen aus dem Büchlein schnell in ein KI-System hinein bringen will, dann geht das mittlerweile sehr gut und da verwenden wir zum Beispiel Mistral aus Frankreich im OCR-Bereich. Also das sind so spezialisierte KI-Modelle und von denen wird es immer mehr geben, auch im Open Source-Bereich, der für Europa denke ich sehr wichtig ist, gibt es auch immer mehr Sachen und schon langsam kommt das auch in die Gänge Richtung Cloud und Rechenzentren, dass das immer europäischer wird. Also da wird einem nicht langweilig und wahrscheinlich das wichtigste ist eigentlich das Kundenfeedback. Wie ich schon vorher beschrieben habe, wenn man da mit 10-20 Leuten zusammensitzt und newesrooms.ai zeigt, dann gibt es dann auch gleich 10-20 neue Ideen, was man da nicht noch einbauen könnte. Und das macht halt extrem viel Spaß, weil so kommt man dann quasi in so einen Feedback-Loop hinein, wo von extern gute Ideen kommen, auf die man selbst gar nicht kommen würde. Eh klar, also je mehr Leute ein Ding benutzen, umso vielfältiger sind die Eindrücke.
Dieter Brader: Infos zu deinem Produkt newsrooms.ai gibt es auf...
Jakob: newsrooms.ai
Dieter Brader: Und man kann sagen, Can AI help you... automate editorial workflows? Yes, newsrooms.ai can, Yes, we can. Danke lieber Jakob, alles Gute weiterhin.
Jakob: Yes, we can. Danke Dieter!