00:00:01: Schauen wir mal, wie wir das Ganze starten. Gut, ready? Ich bin ready. Fein. Hallo, mein Name ist Dieter Brader. Willkommen beim Podcast "Can AI help you..." Lieber Bernhard Gmeiner, schön, dass du da bist. Du bist wahrscheinlich mitten in der Schule. Du bist in einem Gymnasium, während rundherum gelernt und studiert wird, sozusagen, und gleichzeitig vermutlich an vielen Stellen auch über KI diskutiert wird. Ich freue mich sehr, dass wir heute direkt aus der Schulpraxis heraus über
00:00:07:
00:00:35: KI reden können. Für alle, die dich noch nicht kennen, magst du nur kurz erzählen, wer du bist und was du so machst.
00:00:42: Gerne. Hallo lieber Dieter, herzlichen Dank für die Einladung. Ja, Bernhard Gemeiner, ich bin AHS-Lehrer in Wien im 15. Bezirk unterrichte an einer ganz tollen Schule auf der Schmelz und darf da 10- bis 18-jährige Menschen begleiten. Und bin seit ca. drei Jahren hooked, was KI betrifft und habe eigentlich schon gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen von Anfang an gemerkt, dass sich da einiges. verändert. Natürlich nicht nur gesellschaftlich, sondern vor allem auch im Bildungsbereich. Und möchte einfach hier begleitend dieses Thema immer wieder aufrecht erhalten im gesellschaftlichen Diskurs. Darf im Standard dazu einmal im Monat schreiben, bin immer wieder auf Workshops, Keynotes und so weiter und tingle ein bisschen herum in der Szene.
00:01:28: "Can AI Help Das ist ein Podcast über künstliche Intelligenz, digitale Transformation, Medienwandel, Kommunikation und die Frage, wie Menschen und Organisationen sinnvoll mit neuen Technologien umgehen können. Im Mittelpunkt steht heute Bernhard Gmeiner mit seinen Perspektiven, Erfahrungen und Beobachtungen aus seinem Schulbereich. Er ist selbst Lehrer an einem Gymnasium. Und die heutige Episode lautet "Can AI help you... in the classroom?" Also ganz simpel, wie kann die KI im Klassenzimmer Warum hat dich das Thema KI im schulischen Kontext so gepackt? Was war denn so dieser Moment, wo du gesagt hast: Wow, das hat jetzt wirklich einen Impact, auch auf die Bildung, auch auf das gesamte Schulwesen?
00:02:11: Ich glaube, das ist ein bisschen ein Klassiker. Also ich bin Sprachlehrer, ich habe Englisch und Geografie. Und es war tatsächlich im Herbst 2022, also eine Woche nach der Veröffentlichung von ChatGPT 3.5... habe ich das zufällig entdeckt. Ich glaube, damals über Reddit und bin zu meinem Administrator in der Schule und habe gesagt, schau dir das bitte an, was dieses Tool kann. Da können ja in Sekundenschnelle Texte geschrieben werden. Wir haben es gemeinsam ausprobiert und haben dann eigentlich gleich einmal gemerkt, Wow, das verändert ganz sicher mal einiges, was im schulischen Alltag so passiert. Also allein diese textbasierten Large Language Models zu Beginn, die haben uns von Anfang an gepackt und da ist gleich einmal dann die Erkenntnis gekommen, dass das bald auch die jungen Erwachsenen entdecken werden. Und wir als Erwachsene, wir als Lehrende uns dem Thema widmen müssen.
00:03:05: Jetzt gibt es das Thema, du hast es auch im Standard so benannt: "KI im Klassenzimmer". Wo liegen denn dabei jetzt, um gleich ins Thema einzusteigen, die Challenges? KI ist ja längst Teil des Schulalltags. Schüler:innen verwenden das vermutlich bei Hausübungen, vielleicht für die Vorbereitungen. Und da gibt es vielleicht auch Diskrepanz zwischen dem klassischen Schulalltag, vielleicht aus einer anderen Zeit. Wie ist die Situation momentan?
00:03:39: Die Situation ist derzeit tatsächlich ein bisschen wie ein Dschungel. Es ist, wie du richtig sagst, tatsächlich so, dass natürlich der Großteil der Schüler und Schülerinnen bestimmte Large-Language-Models benutzen, im privaten und im schulischen Kontext. Ich versuche, so gut wie möglich mit Fakten zu arbeiten, lese viele Studien, versuche auch an meinem Standort anonyme Umfragen zu machen. Und da habe ich eine aktuelle Umfrage aus meiner Oberstufe, die wieder zeigt, dass einfach sehr viele Jugendliche das benutzen: So 70 bis 80 Prozent benutzen es mindestens einmal in der Woche für schulische Belange. Wir haben auch die Erkenntnis gewonnen, dass so ca. die Hälfte sagt, dass sie mehrmals im Monat KI-Tools benutzen, um ihre Aufgaben vollständig zu erledigen, ohne dass es der Lehrkraft auffällt. Wenn das zumindest von den Schülerinnen und Schülern so abschätzbar ist, dass es der Lehrkraft nicht auffällt. Es fällt uns auf, dass diese Tools in ganz unterschiedlichen Arbeitsprozessen für ganz unterschiedliche Aufgaben benutzt werden. Und die große Herausforderung natürlich ist einerseits für uns Lehrpersonen, dass wir das Thema proaktiv ansprechen, dass wir eine Haltung haben, eine Haltung entwickeln, dass dieses Thema einen Platz braucht im schulischen Kontext. Und, dass wir hier einen Weg finden, gemeinsam mit den Jugendlichen, dass es nicht nur eine Abkürzung für bestimmte Lernprozesse, für bestimmte Kompetenzen-Entwicklungen ist. Was einfach derzeit passiert, das ist tatsächlich so. Bei bestimmten Arbeitsschritten, bei Aufgaben, bei Projekten wird das benutzt. Kann ich gerne Beispiele dann später bringen, wie krass das genutzt wird. Das ist so die eine Schiene. Und natürlich ist die zweite Schiene, dass diese gesamte KI-Revolution, wenn man das so nennen mag, auch die Problemstellen, die Lücken im Bildungssystem aufzeigt.
00:05:28: Jetzt hast du drei interessante Punkte genannt. Workflows oder Use Cases, wo die KI angewendet wird. Dann Haltung und dann Lücken. Schauen wir uns das noch mal in Detail an. Wie wird denn die KI jetzt in der Schule von den Schüler:innen verwendet?
00:05:45: Ja, ich fange mit den optimistischen, positiven Beispielen an. Es gibt tatsächlich einige Schüler und Schülerinnen. Da bekomme ich wöchentlich tolle Beispiele, die das wirklich sehr proaktiv und toll nutzen. Die das als Lernpartner nutzen, als Arbeitspartner für bestimmte Hausübungen, Texte, Referate. Es gibt einige Tools, die sehr gut helfen können in der Vorbereitung zu Tests, zu Schularbeiten. Also da gibt es echt einige Jugendliche, die von sich aus auch schon selbst diese Kompetenz erworben haben, wie sie aktiv zum Beispiel jetzt NotebookLM von Google benutzen, um sich auf einen Test vorzubereiten. Da ist ja wahnsinnig spannend, was zum Beispiel dieses Tool kann, um da bei der Wissensaneigenung zu helfen. Also diese Sparte gibt es tatsächlich, das ist ganz, ganz fein. Dann ist natürlich der große andere Bereich auch der, wo ich jetzt sage, dass wir vor allem bei der Textbearbeitung natürlich schauen müssen, wie können wir da das als Lehrende anders gestalten. Weil natürlich wäre es fatal meiner Ansicht nach, wenn zum Beispiel Sprachlehrende das Texteschreiben nur noch daheim machen lassen, als Hausübung. Weil man einfach nicht mehr sicherstellen kann, dass es nicht mit KI-Unterstützung geschrieben wurde. Ich persönlich habe das Texteschreiben in den Unterricht verlagert, wo ich begleiten kann, wo ich, wenn ich möchte, KI sogar unterstützend einsetzen kann bei bestimmten Arbeitsschritten, wie man einen Text schreibt, aber vor allem, weil ich noch drauf schauen kann, wie entsteht der Text. Also viel mehr Fokus auf den Prozess. Aber ich glaube, das ist tatsächlich bei den allermeisten Lehrenden auch schon angekommen. Die sehen es jetzt auch schon drei Jahre da, dass man Text dann nicht mehr daheim schreiben lässt. Das ist so bei, natürlich, Large-Language-Models, textbasiert ist so der No-Brain eigentlich. Und natürlich werden die Kids sehr kreativ. Also ich habe zum Beispiel eine Maturaklasse gehabt vor zwei Jahren, wo wir nach der Matura
00:07:24: Ja.
00:07:35: ein Bursche hat gesagt, na ja, in Spanisch, da ist er auf einer Zwischennote gestanden und da war die Arbeitsaufgabe, dass er einen spanischen Monolog abgibt online. Der hat sich einfach auf Deutsch schnell was schreiben lassen, hat das mit DeepL Translate übersetzen lassen, hat mit ElevenLabs seine Stimme kopiert und dann diese Fake-Stimme von ihm, das auf Spanisch abgeben lassen. Natürlich gibt es diese Jugendlichen, die auch diese Kompetenz schon haben, unterschiedliche Tools irgendwie einzusetzen. Gerade vor ein paar Monaten, das ist nicht mehr Monate her, drei Wochen habe ich mitbekommen, dass Jugendliche spontan mit Gamma, diese App, wo man Präsentationen erstellen kann, sich spontan mit Gamma eine Präsentation erstellen haben lassen, dann das Referat spontan im Unterricht einfach vorgetragen haben und dass es der Lehrperson auch nicht aufgefallen ist. Das war für mich wieder so ein Moment, wo ich mir dachte, okay, wir müssen noch viel mehr reingehen in die in diese doch harte Arbeit, das Bewusstsein zu schärfen bei Lehrpersonen auch, dass das einfach sehr, oft benutzt wird, auch Wege abzukürzen. Ja also, stopp mich bitte, weil ich könnte, glaube ich, einige Beispiele aufziehen. Ich möchte auch nicht so negativ starten, aber es ist einfach doch so, dass das benutzt wird.
00:08:56: Es ist gar nicht negativ. Wir haben jetzt nur überlegt, da bin ich auf den Begriff oder auf diese Wortstellung zum Wochenende gekommen... "KI im Klassenzimmer" oder kann ja genauso heißen "Klassenzimmer in der KI§. Also so fühlt sich das momentan an. Wie breitet sich die oder wie lebt man das Thema Schule Klassenzimmer in der KI? Vielleicht ist es ja längst schon irgendwie umgekehrt. Wie ist denn jetzt so die Haltung dazu von speziell von dir. Wenn du jetzt die Use Cases anschaust von den Schüler:innen, wie gehst du damit um, wie reagierst du?
00:09:33: Also ich habe das Gefühl, es funktioniert nur, wenn man tatsächlich mit Authentizität und Ehrlichkeit arbeitet. Wenn ich sage, erstens einmal über meine Arbeit, wenn meine Schülerinnen und Schüler sagen, Herr Professor, das Arbeitsblatt haben Sie aber mit KI erstellt Dann sage ich ja, natürlich habe ich zum Teil mit KI erstellt. Weil mir diese Tools auch wahnsinnig helfen, super spannende, kreative Arbeitsaufträge zu gestalten. Also ich habe ja zum Teil Stunden, die ich vor dieser KI-Generation nie so gestalten hätte können. Und da mal offen zu sprechen und auch ganz offen das Thema reinzugehen in die Klasse und das anzusprechen: Wie können wir diese Tools gemeinsam gut nutzen. Da gibt es eigentlich schon recht viele tolle Beispiele, die jetzt von so Start-ups sind, die versuchen das zu verknüpfen: Bildungskontext mit Large-Language-Models. Und das aber so benutzen, nicht der Tools wegen, nur weil es ein plötzlich kein cooles neues Tool ist, sondern wirklich zu überlegen,
00:10:22: Hm. Hm.
00:10:31: wo macht das Sinn pädagogisch. Und da diese Haltung zu entwickeln. Wir versuchen gemeinsam das zu meistern. Jetzt glaube ich, dass ich da auf recht und gutem Weg bin. Gleichzeitig bin mir sicher, dass einige meiner Schülerinnen und Schüler trotzdem da noch manchmal diesen Abweg versuchen und vielleicht auch zum Teil noch schaffen, weil einfach der Lehrer:innenalltag sehr stressig ist mit sehr vielen anderen Baustellen halt auch nicht nur unter Anführungszeichen diese "KI-Herausforderung".
00:11:01: Wie kann man sich das vorstellen? Gibt es da sogenannte, also ich kenne das als Unternehmensberufswelt, da gibt es sogenannte KI-Guidelines. Gibt es sowas auch in der Schule, nach denen sich die Schülerinnen richten?
00:11:10: Ja. Ich finde, ist einmal... Ich Ich finde, das ist der erste Schritt, man als Schule gemeinsam mit der Schulleitung machen sollte. Dass man vielleicht so eine Art KI-Arbeitsgruppe im Rahmen der Schulentwicklung entwickelt und da dann mal einen Schulleitfaden entwickelt, der auch auf der Schul-Homepage dann ist... öffentlich sichtbar... damit die Lehrenden, die Schüler und Schülerinnen und die Eltern wissen, wie ist der Zugang der Schule bei dem Thema. Damit dann auch alle wissen, okay... Es gibt das Commitment, das man sich dem Thema mal widmet, dass man sich dessen annimmt und versucht im Kontext des Alltags das Thema mit den Schüler:innen so zu behandeln, dass sie das bei Arbeitsschritten benutzen können, wenn es dokumentiert wird... zum Beispiel, wenn ein Prozess, wo KI begleitend eingesetzt wird, auch so dokumentiert wird und auch, dass die Lehrpersonen an sich ein gewisses Level auch sich entwickelt haben, ⁓ da so ein Grundbasiswissen zu haben. Was sie dann weitergeben sollen an die Schüler und Schülerinnen. Also ein Schulleitfaden ist mal der erste Schritt meiner Meinung nach, der wirklich wichtig ist. Und der passiert dann auch auf den allermeisten Schulen meiner Erfahrung.
00:12:24: Das heißt, ein Schulleitfaden für Schüler:innen und Lehrende.
00:12:27: Ja, genau. Der müsste natürlich schon stetig adaptiert werden, weil wir eben auch von einer Technologie reden, die sich eigentlich jede Woche stark verändert. Und das ist auch eine große Herausforderung, meiner Ansicht nach für Lehrende und auch für Schulleitungen da flexibel zu bleiben.
00:12:44: Es gibt ja noch keinen eigenen Gegenstand KI in der Schule. Wie kann ich mir das vorstellen? Ist das ein integrierter Bestandteil, der dort und da eingesetzt wird? Oder wie macht man das in der Praxis?
00:13:00: Es kann nicht nur derzeit ein integrierter Bestandteil sein aufgrund der Eigeninitiative der Lehrpersonen oder zum Teil auch der Schulleitungen. Das ist schon der Fall, dass die Personen, diese Early Adopters, die Pioniere, Pionierinnen, die gibt es an jedem Standort. Die sind da schon seit zwei, drei Jahren tatsächlich so, dass sie versuchen, es im Unterricht so oft oder so adäquat wie möglich einzusetzen. Und dann ist die zweite Herausforderung, diese große Mehrheit der Lehrpersonen, die noch bisschen zögerlich sind, auch da zu überzeugen. Es ist schon so, dass es derzeit noch so ist, dass jede Schule da in gewisser Maße ihr eigenes Süppchen kocht und versucht da irgendwie am Ball zu bleiben. Und da merke ich von Seiten der Politik, dass es da die Initiativen, die Überlegungen gibt. Ich glaube, die Überlegungen sind der Oberstufe jetzt Informatik, Medienkunde und KI zu integrieren als eigenes Fach. Gibt es Für und Wider-Stimmen. Aber ich merke ein Interesse zumindest von politischer Seite, da sich dem Thema... Dass man sich da professioneller und produktiver nähert als in vergangenen Jahren.
00:14:03: Jetzt haben wir ein bisschen näher reingeschaut, wie die Schülerinnen und Schüler KI nutzen, dann auf der anderen Seite, wie die Haltung ist und dann hast du noch angesprochen diese Diskrepanz, dieser Gap. Wie schaut der aus und wie merkt man das im täglichen Schulalltag?
00:14:22: Ja, der größte Gap unter Anführungszeichen ist dann tatsächlich, wie wir Bildung leben seit Jahrzehnten und was jetzt aufgedeckt wird durch diese KI-Revolution. Das heißt, wie kommen wir zu einem Schulerfolg, zu einer Benotung, zu einer Beurteilung? Und da ist es einfach so, dass zum Großteil wir ein Produkt beurteilen... wir einen Text beurteilen, eine Schularbeit, eine Abschlussprüfung, also sehr oft eine Einzelleistung. Und das sind halt Einzelleistungen, die sehr oft von einem Launch-Language-Model in sehr kurzer Zeit simuliert werden können. Das ist die größte Herausforderung, wie wir wegkommen von einer Bewertung des Produkts auf einen Prozess. Das heißt wirklich, wie komme ich zu einer Arbeit, wie komme ich zu diesem Referat? Wie kann ich auch mein Produkt, das am Ende dieses Prozesses entstanden ist, wie kann ich das verteidigen, argumentieren? Wie kann ich das mündlich dann auch untermauern? Und das sind dann Dinge, die KI-gestützt zum Teil entstehen können, aber auch zum Teil gar nicht mit KI entstehen zum Glück. Und da ist dann die Herausforderung für die Lehrkräfte, dass man wirklich darauf schaut, wie kann ich den Prozess begleiten und beurteilen dann auch. Aber das ist so der eine Weg. Es gibt da so paar Ideen, wie man sozusagen KI-resistente Aufgabenformate entwickeln kann. Da wäre dieser erste Punkt Fokus auf Prozess. Zweiter Punkt. Wie ich schon kurz angesprochen habe, Fokus auf Mündlichkeit, wieder viel mehr zurückbesinnen auch ein bisschen auf die Mündlichkeit. Also das Verteidigen der eigenen Arbeit, das spontane Leistung im Unterricht selbst, einfach Dinge, die nicht von einer KI sehr schnell simuliert werden können. Auch dieses alte, bewährte Flip-Class-Room-Modell... Dass ich Aufgaben und Stellungen nach Hause verlagere, wie zum Beispiel ein Podcast hören, einen Film schauen und dann die Diskussion darüber in den Unterricht verlagere. Da gibt es die Idee, dass ich sehr kontextspezifische Aufgabenformate erstelle. Also damit meine ich vielleicht auf die eigene Biografie der Schüler und Schülerinnen bezogen oder auf sehr kontextspezifische Dinge, die von einem KI-Modell nicht sehr leicht simulierbar sind. Also zum Beispiel, ich gebe die Aufgabe, du musst ins Heeresgeschichtliche Museum fahren und das Einschussloch vom Attentat in Sarajevo aus einem bestimmten Blickwinkel fotografieren und das vergleichen, wie es im Geschichtegebuch beschrieben ist. Das lässt sich jetzt wirklich nur machen, derzeit, wenn ich ins herrschungsgeschützliche Museum fahre als Schüler, als Schülerin. Oder auch, wenn ich kollaboratives Arbeit in Gruppen viel mehr verstärke. Das sind alles Versuche und ich finde, das sind sehr gute Ideen, da wirklich so auch in der KI-Bildungsbranche - nenne ich es mal - entwicklt wurden, die letzten Jahre. Aber da kommt jetzt schon ein Aber. Ich versuche das natürlich auch. Ich glaube, ich bin da auch auf einem guten Weg, aber natürlich geht das nicht jeden Tag. Natürlich geht das nicht in jeder Klasse mit jedem Schüler und jeder Schülerin. Weil wir in einem Arbeitsumfeld arbeiten, wo einfach sehr viele Herausforderungen sind. Wir stehen in sehr, sehr vielen Klassen mit großer Schüler:innenanzahl. Da ist es nicht möglich, all diese tollen Ansätze und Ideen produktiv jeden Tag einzusetzen. So ehrlich muss man schon auch sein, finde ich.
00:17:42: Was verändert sich jetzt tatsächlich im Unterricht, wenn KI eingesetzt wird?
00:17:49: Also wenn KI im Unterricht eingesetzt wird, das heißt wir reden dann davon, dass die Lehrperson die Expertise hat, KI punktuell einzusetzen. Das heißt, da braucht die Lehrperson ein Basiswissen, die Lehrperson braucht auch die Tools, das einzusetzen. Also wir reden da von datenschutzkonformen Tools, also nicht von Tools wie ChatGPT, Gemini und Co. Wir reden da von Tools, die wirklich im EU-Recht und ohne Anmeldung und ohne Schüler:innen-Daten einsetzbar sind. Die gibt es. Wenn ich die benutze, also da gibt es fobizz, Teachino, Schul-KI, es gibt FelloFish, also sehr viele auch deutschsprachige Anbieter. Dann sind das Tools, wo im iterativen Prozess zum Teil Schüler und Schülerinnen sich abprüfen lassen können im Unterricht oder auch in der Recherche mit KI-Modellen interagieren, um auf ein bestimmtes Thema zu kommen.
00:18:44: Mhm.
00:18:45: Zum Beispiel kann ich sehr leicht mit dem Tool 'Brisk Teaching', das ist aus den USA, kann ich aus einer Homepage einen KI-Avatar erstellen. Also ich nehme zum Beispiel sehr oft eine Wikipedia-Seite her, Beispiel vom Gletscher in einem Geografieunterricht, dann haben die Schülerinnen einen Gletscher-Experten, eine Expertin und mit diesem Chatbot interagieren sie und versuchen dann bestimmte Themen aus dem Themengebiet Gletscher in diesem iterativen Prozess zu... bekommen. Also da gibt es schon spannende und auch sehr kreative Prozesse. Dann noch ganz kurz zum Beispiel beim Texte schreiben finde ich sehr wichtig. Vorher erwähnt habe ich, dass man den Text im Unterricht mittlerweile schreiben soll, damit man das begleiten kann. Und da gibt es zum Beispiel das Tool FellowFish aus Deutschland, wo die Schüler und Schülerinnen den Text mal selber schreiben natürlich, handschriftlich oder auch gerne schon am Laptop. Und dann bekommen sie anhand dieses Tools
00:19:17: Mhm.
00:19:40: ein Feedback auf ihren Text anhand von Kriterien, die ich als Lehrperson in Vorhinein eingegeben habe und auch gewichtet habe. Dieses Feedback kann, also es ist keine Korrektur, es ist wirklich ein Feedback, wo geschaut wird, schau, bei dir ist die Satzstellung da und dort nicht richtig oder die Zeit solltest du dir nochmal anschauen, die Zeitform oder auch die Übergänge bei bestimmten Absätzen. Und dieses Feedback ist dann die Grundlage für die zweite Version des Textes und dann kann auch gerne in der dritten Version geschrieben werden und dann wird das mir abgegeben. Ich als Lehrperson sehe all diese Schritte, ich sehe auch das KI-Feedback und das ist wirklich eine Art und Weise beim Texte schreiben, wo ich sage, da ist KI wirklich eine super Unterstützung, weil der eigene Text so einen ersten Feedback-Schleife bekommt, die ich als Lehrperson in dem Umfang und in dieser Schnelligkeit auch nie leisten könnte. Also es gibt da wirklich einige tolle Tools, die es da am Markt gibt, die man wirklich auch im Unterricht gut einsetzen kann.
00:20:39: Was passiert denn jetzt, wenn die Schule versucht KI zu ignorieren oder zu verbieten?
00:20:46: Ich finde das Zitat von Bob Blume, ein deutscher Bildungsexperte, Buchautor, der sagt, wenn man sich mit dem Thema KI beschäftigt, verändert sich alles. Wenn man sich mit dem Thema KI nicht beschäftigt, verändert sich auch alles. Man kommt nicht drum herum als Lehrperson oder als Schulleitung oder auch als Elternteil usw. Wenn man sich nicht damit beschäftigt, auch in langer Sicht, dann wird das leider zu so einer... zu so einer Schule, die Schüler und Schülerinnen dann ohne Kontrolle und ohne Begleitung auch KI einsetzen und dann sehr oft diese Kompetenzsimulation einfach passiert. Also bestimmte Kompetenzen, die man im Schulalltag sich einfach aneignet, dann simuliert werden von dieser Arbeit mit KI und dann sehr oft einfach Produkte entstehen, wo man sich gar nicht mehr sicher sein kann, in wie weit die Denkleisterung der Schüler und Schülerinnen wirklich dabei ist. Also das passiert immer wieder. Und da als Schule diesen Prozess zu ignorieren, das wäre natürlich fatal. Ich glaube auch, dass alle Schulen das mittlerweile auch so sehen, dass man sich dem widmen muss. Mit den Mitteln, die man derzeit einfach auch hat. Ich finde das schon auch, und da sehe ich auch mich in meiner Rolle derzeit auch so, dass ich schon auch versuche lautstark hier auch Richtung Politik das Thema immer wieder lautstark anzusprechen. Weil wir da trotz aller Budget-Engpässe mehr Unterstützung brauchen als Schule.
00:22:21: Schauen wir mal 3, 4 Jahre zurück, wo es noch keine KI gegeben hat. Was hat sich denn jetzt in deinem Lehreralltag am meisten verändert in Bezug auf KI-Nutzung?
00:22:35: Ja, also ich glaube der Großteil meiner Stunden ist so, in meiner Stundenvorbereitung ist so entstanden, dass beim bestimmten Erarbeitungsprozess ein KI-Tool eingesetzt wird. Das bedeutet für mich, dass ich, um es auf den Punkt zu bringen, glaube ich kreativere, spannendere Stunden gestalten kann. Ich bin jetzt ein bisschen weggekommen von, dass ich effizienter und schneller Stunden erstellen kann. Das hätte ich vor ein, zwei Jahren noch gesagt. Aber ich habe jetzt schon die Erfahrung gemacht, oder zumindest kommuniziere ich auch nicht mehr so bei Workshops... KI ist nicht in erster Linie das, wo ich jetzt Stunden schneller erstellen kann, weil es schon eine Einarbeitung braucht, wenn ich mich dem Tool widme und das professionell einsetzen möchte. Und ich glaube einfach, dass ich wahnsinnig viele kreativere Ansätze finde bei diesen Tools. Vor allem aufgrund dieser Multimodalität. Schauen wir uns an, was Gemini kann mittlerweile. Kann ich auf, also allein, da sind wir weit weg von nur Text-basierten Dingen, die ich anbieten kann. Wenn wir Richtung Vibe-Coding gehen, bestimmte kleine Lern-Apps erstellen, wenn ich schnell ein Bild erstellen möchte für den Unterricht oder eine Präsentation oder eine Infografik, NotebookLM... das sind ja einfach Dinge, das ist unfassbar, wie kreativ und effektiv man da arbeiten kann. Aber da braucht man ja Einarbeitung. Aber in meinem Arbeitsalltag ist es schon, dass ich sehr oft in der Erarbeitung von Stundenplanungen da bestimmte Tools verwende. Und auch... da kann man viele Beispiele nennen, wenn man zum Beispiel sich überlegt, dass man ein Video hat und ich kann von quasi jedem Video mir das Transkript holen. Also ich kann mir von jedem Video bestimmte Arbeitsaufträge recht gut erstellen lassen, kreativer Art und Weise. Wenn es auf YouTube ist, dann ist es noch viel leichter. Sonst transkribiere ich das halt schnell. Und kann dann Arbeitsaufgabe erstellen, Gruppenarbeiten, weiterführende Ideen, was kann man machen, nachdem man diese Kurzdoku geschaut hat oder sowas. Also auch dieses, ich glaube, das ist schon ein Riesenpunkt in meiner Arbeit auch. Sehr oft benutze ich, also arbeite ich mit Transkripten von Videos auch. Das ist sehr einfach.
00:24:45: Das heißt, du lernst selbst sehr, viel. Du musst wahrscheinlich sehr, sehr viel Zeit in deine eigene Weiterbildung reinstecken. Und es gibt ja wahrscheinlich dann noch keine eigene Ausbildung dazu im Bildungsbereich. Oder wo holst du dein Wissen her?
00:24:51: Ja, eindeutig. Also, Also eine offizielle Ausbildung im Bildungskontext gibt es nicht. Mein Wissen hole ich tatsächlich von Online-Plattformen, also von Kollegen, Kolleg:innen im deutschsprachigen Raum. Es gibt mittlerweile echt schon einige, wo es sehr, sehr spannende Ansätze gibt. Aber es ist tatsächlich der Klassiker mit Reddit, LinkedIn, Bluesky und viele Studien dann lesen. Es gibt auch viele KI-Podcasts... Zum Beispiel "KI verstehen" oder "Der KI-Podcast", zwei deutsche Podcasts, finde ich ganz, spannend. Da gibt es schon einige Personen, wo man sich die Expertise holen kann. Es gibt auch Fortbildungen, auch in Österreich, die zum Beispiel sehr spannend sind. Aber ja, ganz kurz noch, das ist alles derzeit noch wirklich die Eigeninitiative, die man einfach da bringen muss, um auf dieses Level zu kommen. So ehrlich muss man auch sein.
00:25:53: Du hast einige Podcasts erwähnt. Es gibt auch KI im Klassenzimmer.
00:25:56: Ja, derzeit ist ja mal eine Kolumne im Standard, und da darf da alle paar Wochen ein Text dazu schreiben. haben mittlerweile schon Texte Das Neueste ist, dass ich ein Interview mit Bildungs-Experten und Expertinnen führe, als Artikel quasi online gehen.
00:26:11: wir haben zwei, drei Jahre zurückgeschaut, jetzt schauen wir zwei, drei Jahre voraus. Was glaubst du, wie wird sich deine Arbeitsweise, wie wird sich der Unterricht, wie wird sich die Schule in drei, vier, fünf Jahren verändert haben?
00:26:13: Ja. Also meine Hoffnung, wie sich es verändert haben wird, ist, dass es ein Commitment von Seiten der Politik gibt, dass es in zwei Schienen mehr Unterstützung gibt. Erste Schiene, dass tatsächlich Schulen mit datenschutzkonformen Tools arbeiten können, ohne dass sie im Graubereich irgendwie sich das finanzieren müssen, sondern dass tatsächlich die Finanzierung auch von Seiten der Politik kommt. Und nicht nur ausgewählte Pilotschulen da mit KI-Tools arbeiten können. Da gibt es schon erste Initiativen mit diesem Warenkorb, der jetzt kommt, im kommenden Herbst. Da ist meine Hoffnung, dass da mehr Unterstützung kommt. Zweite Schiene, auch von Seiten der Politik, dass es noch viel mehr unterstützt wird, wie diese didaktische Einbettung passiert. Da ist ja noch viel größer die Herausforderung. Ich kann jetzt nicht Schulen zuschütten mit Tools und sagen, arbeite jetzt damit. Sondern, oder einfach zu sagen, ja ... da gibt es die eine Stunde digitale Grundbildung, die sich darum kümmern werden. Das ist einfach zu wenig. Man braucht die didaktische Einbettung, wo man alle Schulen, alle Lehrpersonen an Bord holt. Dass da auch vermehrt noch mehr drauf geschaut, wie kann man zum Beispiel Schulen unterstützen... an einem pädagogischen Nachmittagen das Thema anzugehen. Und dann ist meine Hoffnung, dass in zwei, drei Jahren wir einen Lehrkörper an allen Schulen haben, wo ein Grundwissen über die Technologie, über die Veränderung im Bildungswesen an sich im Lehrkörper da ist. Und einfach auch diese positive Grundeinstellung Also dieses Thema ist ein großer Bestandteil meiner Arbeitsweise und ich sehe die Herausforderungen und die Chancen, weil es ja wirklich beides tatsächlich ist für einen selbst und auch in der Arbeit mit Schüler und Schülerinnen. Also kurz gesagt, ichsage, in drei Jahren ist die Haltung aller Lehrpersonen eine andere.
00:28:10: Das ist ein schönes Schlusswort. Ich sage vielen Dank fürs Gespräch. Ich wäre gerne noch Schüler in der jetzigen Zeit, vor allem mit diesen ganzen digitalen Tools und digitalen Weiterhilfen. Alles Gute weiterhin, viel Spaß. Dankeschön, bis bald.
00:28:25: Danke dir! Bis bald, tschüss.